Liebe Mitglieder,
ich möchte eine Entscheidung erklären, die mir nicht leichtgefallen ist – aber die ich immer noch für absolut richtig halte: Ich bin nicht zum Sudetendeutschen Tag nach Brünn gefahren.
Brünn ist für mich kein beliebiger Ort. Brünn steht für ein Kapitel unserer Geschichte, das bis heute furchtbar schmerzt. Es steht für Leid, für Vertreibung, für Grausamkeit, für den Verlust von Heimat und für das, was unseren Familien angetan wurde. Diese Erinnerung ist nicht abstrakt – sie lebt in unseren Geschichten, in unseren Namen, in unserem Bewusstsein.
Und genau deshalb konnte ich nicht so tun, als wäre dieser Ort einfach nur ein geeigneter Rahmen für eine festliche oder versöhnliche Veranstaltung.
Versöhnung ist ein großes Wort. Aber echte Versöhnung entsteht nicht durch Kulissen, nicht durch symbolische Treffen und auch nicht dadurch, dass man über das hinweggeht, was geschehen ist. Aus dem Brünner Todesmarsch mit seinen Verbrechen gegen die Menschlichkeit wird niemals ein „Versöhnungsmarsch“ per Deklaration. Versöhnung braucht Wahrheit. Sie braucht Klarheit. Und sie braucht eine ehrliche und unmissverständliche Anerkennung des erlittenen Unheils.
Ich hatte und habe immer noch nicht das Gefühl, dass diese Grundlage wirklich gegeben war oder bis heute ist. Deshalb blieb für mich eine Teilnahme kein Zeichen von Größe – sondern ein falsches Signal!
Ich verweigere mich nicht dem Dialog. Im Gegenteil: Ich halte ihn für wichtig. Aber Dialog darf nicht bedeuten, dass wir unsere eigene Geschichte relativieren oder unsere Erinnerung zur Nebensache machen.
Unsere Würde, unsere Geschichte und unsere Rechte sind nicht verhandelbar.
Deshalb blieb ich fern.
Nicht aus Bitterkeit.
Nicht aus Ablehnung gegenüber den Menschen von heute.
Sondern aus Respekt – vor denen, die gelitten haben, und vor dem, was uns geprägt hat.
Euer
Felix Vogt